Phil fährt - Soltau - Nordkap und zurück

...und im Fernsehen kommt eh nur Mist!


Ich habe ein Ziel, das ich nach langem Planen jetzt endlich in die Tat umsetzen möchte: Im Mai 2015 werde ich eine Reise zum Nordkap antreten und Mittsommer am 23.Juni, das größte Fest in Skandinavien, am nördlichsten Punkt Europas verbringen. Die Strecke von insgesamt mehr als 6.000 Kilometer werde ich per Fahrrad zurücklegen und die Nächte im Zelt verbringen.

Meine Motivation Die Begeisterung für diese Art von Reisen habe ich bei meiner ersten großen Radreise 2008 gewonnen. Zu zweit sind wir damals eine 1.700km lange Strecke von Norddeutschland über die Alpen bis etwa Höhe Ancona in Italien gefahren. Es hat seinen ganz eigenen Charme dort zu leben, wo man gerade ist. Am Straßenrand das Abendbrot zubereiten oder jede Nacht woanders das Zelt aufbauen, bei gutem Wetter einfach so unter dem Sternenhimmel schlafen... Nicht zuletzt habe ich viele Begegnungen gemacht mit Menschen der verschiedensten Art. Und dabei war es zweitrangig, ob wir dieselbe Sprache beherrschten. Hände und Füße haben oft mitgeholfen. An diese Erfahrungen denke ich gerne zurück, sie haben nicht unwesentlich zu meiner Persönlichkeitsbildung beigetragen und sind eine enorme Kraftquelle.

Durch meine langjährige ehrenamtliche Mitarbeit in der evangelischen St. Johanniskirche Soltau habe ich Gelegenheit, viele Menschen zu treffen. Am liebsten arbeite ich mit Jugendlichen und kann sie im Rahmen meiner Tätigkeit als Teamer ein Stück auf ihrem Weg begleiten. Ich habe einen guten Draht zu diesen jungen Leuten und nehme mir die Zeit, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. In den vergangenen Jahren stelle ich vermehrt die Tendenz fest, dass viele von ihnen immer mehr „einfach vor sich hin leben“. Es mangelt an Hobbys, Talente warten darauf entdeckt zu werden. Selbst auf die Frage nach ihrem Berufswunsch wissen immer weniger eine Antwort. Zentral im Leben steht oft die Schule und zur Entspannung belohnt man sich mit Internet oder vor den Fernseher, wo man sich berieseln lässt. Eine bequeme Art abzuschalten, aber auch eine – wie ich finde – Besorgnis erregende. Wo Ziele fehlen und wir unser Leben zusehends fremdbestimmen lassen, wo praktische Erfahrungen fehlen und Menschen auf Grund mangelnder Bewegung immer häufiger physisch erkranken und ihre Koordination verloren geht, wo depressive  Krankheitsbilder und Burn-Out zu neuen Volkskrankheiten werden – da läuft mit Sicherheit einiges in eine falsche Richtung. Es gibt Kinder, die eine Kuh lila-weiß ausmalen – ein kurioses Exempel, das den schleichenden Prozess der Entfremdung des Menschen zu seiner Umwelt und sich selbst deutlich macht.

Ich trete diese Tour an und möchte ein Vorbild sein; zeigen, was für verrückte Dinge man aus eigener Kraft schaffen kann, dass es diese tollen Bilder nicht nur auf YouTube zu sehen gibt, sondern man live mittendrin sein kann. Wenn ich nur einen Menschen dazu ermutigen kann, auch ähnliche Lebenserfahrungen zu machen, habe ich mein Ziel erreicht. Die Chancen dafür stehen besser denn je, denn im Fernsehen kommt eh nur Mist!